Eine Sparkasse in Rheinfelden-Lörrach sprach eines Tages seinen Kunden an, er habe doch einen größeren Betrag auf dem Konto und das könne man doch besser anlegen. Er wurde gefragt, ob er Interesse habe, was er bejahte, er könne aber nur sichere Anlagen anlegen, es handele sich um hart Erspartes für die Rentenzeit. Das Vertragsgespräch zwischen der Filialleiterin und dem Kunden sowie seiner Frau wird im Nachhinein von beiden Seiten unterschiedlich dargestellt. Der Kunde hatte jedenfalls für 70000,- € Anteile an einem Aktienfond gekauft mit einer Wertentwicklung von 10 - 11 %. Die Sparkasse behauptet, über alle Belange des Fonds aufgeklärt zu haben.
Der Fond schreibt im Nachhinein 30 % Verlust, weshalb der Kunde nun versucht das Geschäft rückabzuwickeln und beruft sich auf Falschberatung. Die Sparkasse hält schriftlich fest, "Aus den uns vorliegenden Aussagen und Beratungsprotokollen geht nicht hervor, daß der Kunde eine sichere Anlage wollte, sondern unter Renditegesichtspunkt bewußt höhere Risiken einzugehen bereit war.
Eine Vertreterin der Verbraucherzentrale NRW meint, die Verbraucher berichten immer wieder von solchen Vorfällen. Nunmehr gibt es eine gesetzliche Pflicht, Beratungsprotokolle zu verwenden. Das Protokoll würde von den Banken bzgl. seiner Ausgestaltung häufig mißbraucht, z.B. mittels eines Kreuzchens, daß für - entgegen dem ermittelten Kundenprofil - steht (Wiso, ZDF, 08.03.10).

Die Untersuchung der Zeitschrift Finanztest hinsichtlich der Beratungsqualität war so schlecht, wie lange nicht mehr (heute, ZDF, 20.07.10). Insbesondere wurden trotz Verlangen des Kunden bei der Hälfte der Fälle die Beratungsprotokolle nicht ausgehändigt. Kein Geldinstut händigte von selbst das Beratungsprotokoll aus.

In einem anderen Fall hatte ein Kunde einen Kreditvertrag mit variablen Zinssatz bei der Sparkasse Miesbach abgeschlossen. Ein Kreditsachverständiger bezeichnet die Zinsanpassungen geradezu als raubritterlich, insbesondere seit der Finanzkrise, was von der Verbraucherzentrale Bremen bestätigt wird und die Rechtsprechung hierzu klar sei. Die Banken bestreiten trotzdem die Rechte der geschädigten Kunden. Speziell bei dem o.g. Kunden hat die Sparkasse bei dem variablen Zinssatz, der sich nach dem Bundesbankzins zu richten hat, ca. 6 - 8 % zu viel berechnet und zu Beginn der Finanzkrise stieg er sogar auf 12 % zu viel an. Ein Gesamtschaden von 70000.- € sei so für den Kunden entstanden. Die Banken gingen allgemein davon aus, daß der Kunde das nicht prüfen, geschweige nachrechnen kann. Am schlimmsten sollen sich so Sparkassen und VR-Banken verhalten.

In einem weiteren Fall (Escher, MDR, 07.07.11) hielt es die Sparkasse ebenfalls nicht für nötig, das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll zu verwenden.

Auch im Jahre 2014 sind die Beratungsprotokolle häufig mangelhaft (Wiso, ZDF, 22.09.14). Juristen aus den Bankentürmen haben Beratungsprotokolle längst als Schutzschild entdeckt, um am Ende sagen zu können, der Kunde wollte es doch so. Z.B. mit dem Satz im Protokoll, "Ihr zusätzlicher Kaufwunsch abweichend zu unserer Empfehlung" wird für eine eine Art Blanko-Schein für den Berater gesorgt. Obwohl die Protokolle nicht unterschriftspflichtig sind, wird dies von den Kunden verlangt, um nachher den mutmaßlichen Willen des Kunden besser belegen zu können. Nach einer Studie seien die Protokolle unübersichtlich, unverständlich und würden die Unterschrift des Kunden verlangen. Ein Standardprotokoll gäbe es nicht.
Das Problem liegt also immer noch darin, daß der Kunde Vereinbarungen akzeptiert, die er nicht versteht. Nach den rechtlichen Willensregelungen dürfte er solche Vereinbarungen garnicht eingehen. Das würde theoretisch zu einem starken Rückgang solcher Geschäfte führen. Wenn die Politik an der Vermeidung des Anlagebetrugs und am Erhalt solcher Anlageverträge interessiert ist, bliebe tatsächlich nur noch eine Standardisierung der Protokolle übrig.


In der Dokumentation "Die Bank an ihrer Seite" (tagesschau24, 14.11.14) wird von geschädigten Rentnern erzählt, die demonstrierten, weil sie von den Banken betrogen wurden. Ihnen wurden riskante Finanzanlagen aller Art als völlig sicher verkauft (ca. ab dem Jahre 2009). Im Beratungsverhalten der Commerzbank habe sich nach Angaben von Mitarbeitern wenig bis garnichts geändert. Die gesetzlich eingeführten Beratungsprotokolle zum Schutz der Anleger sind nach Aussage des RA Helge-Petersen bei allen Banken nun endgültig als Beweismittel zugunsten der Banken mutiert. Wenn die Commerbank in nur der Hälfte der Fälle schadensersatzpflichtig würde, hätte sie ein Eigenkapitalrisiko, daß sie erheblich ins Schwanken bringen würde. Die Anleger haben bereits erstinstanzlich vor Gericht verloren. Eine Anwaltskanzlei von Helge-Petersen, die viele dieser Anleger vertritt, mußte sein Büro mächtig aufrüsten. RA Arne-Heller nahm sogar an einer Demo aktiv teil, was erstaunlich ist. Nach RA Helge-Petersen seien Banken nicht verpflichtet, alle Kosten, die mit der Anlage entstehen, anzugeben. Zum Schluß der Sendung wurde jedoch vom Moderator erzählt, daß immer mehr Gerichte anlegerfreundlich entscheiden würden, was aber wegen der vielen erstinstanzlich verlorenen Verfahren nicht so recht stimmen kann. Offenbar haben insbesondere nur diese Mandanten Glück, bei denen der Anlageberater zugunsten der Anleger aussagt. Aber auch das kann ein Gericht überhören (Ausnutzung der komplizierten Materie). Letztlich scheinen die paar Veröffentlichungen im Fernsehen (inkl. Internet) in all den Jahren nur wenige Bürger erreicht zu haben. Die Gutgläubigkeit der Deutschen ist offenbar recht groß.